Betriebliche Altersvorsorge für KMU in Österreich: Die 4 Modelle im Vergleich

Warum sich gerade kleine Betriebe mit der zweiten Säule beschäftigen sollten

In meinen Beratungsgesprächen mit Unternehmern aus der Region höre ich einen Satz besonders oft: „Betriebspension? Das ist doch nur etwas für Konzerne.“ Genau das Gegenteil ist der Fall. Gerade Klein- und Mittelbetriebe, die im Wettbewerb um gute Fachkräfte stehen, können mit einer betrieblichen Altersvorsorge punkten – und dabei auch noch Lohnnebenkosten sparen.
Die Rechnung dahinter ist simpel: Eine Gehaltserhöhung von 100 Euro brutto kostet den Betrieb mit allen Lohnnebenkosten deutlich mehr, beim Mitarbeiter kommt nach Steuern und Sozialversicherung nur ein Bruchteil an. Beiträge in eine betriebliche Vorsorge sind dagegen in weiten Teilen von Lohnnebenkosten befreit. Für Unternehmen ist das rund 30 Prozent günstiger als Barlohn. Derselbe Euro leistet also mehr, wenn er in die Vorsorge fließt statt aufs Gehaltskonto.

Wichtig zur Abgrenzung: Die „Abfertigung Neu“, also die 1,53 Prozent des Bruttogehalts, die Sie seit 2003 verpflichtend in eine Betriebliche Vorsorgekasse einzahlen – ist keine freiwillige Betriebspension, sondern gesetzliche Pflicht. Alles, worüber wir hier sprechen, kommt zusätzlich dazu.
Sehen wir uns die vier Modelle an, die Ihnen als Unternehmer in Österreich zur Verfügung stehen.

Der einfache Einstieg

Modell 1: Die Zukunftssicherung nach § 3 Abs 1 Z 15a EStG

Das unkomplizierteste Modell zuerst: Als Arbeitgeber können Sie pro Mitarbeiter und Jahr bis zu 300 Euro – also 25 Euro monatlich – völlig steuerfrei und ohne Lohnnebenkosten in eine Vorsorgelösung investieren. Das kann eine Pensions- oder Lebensversicherung sein, aber auch eine Kranken-, Risiko- oder Unfallversicherung.

Die Zukunftssicherung funktioniert auf zwei Wegen:

Als freiwillige Sozialleistung

Sie zahlen die 300 Euro zusätzlich zum Gehalt. Der Betrag ist lohnsteuer- und lohnnebenkostenfrei.

Als Gehaltsumwandlung

Der Mitarbeiter verzichtet auf 25 Euro Bruttogehalt pro Monat, die stattdessen in die Vorsorge fließen. Er spart sich die Lohnsteuer, Sie reduzieren Ihre Lohnnebenkosten. Zu beachten: Bei dieser Variante bleibt die Sozialversicherungspflicht aufrecht.

Für wen geeignet: Für jeden Betrieb, unabhängig von der Größe. Die Zukunftssicherung ist der klassische Einstieg in die betriebliche Vorsorge – geringer Verwaltungsaufwand, klar begrenzte Kosten, sofort spürbarer Vorteil für die Mitarbeiter. Der einzige Haken: Mit 300 Euro pro Jahr allein schließt niemand seine Pensionslücke. Für mehr braucht es die nächsten Modelle.

Welches Modell passt zu Ihrem Betrieb?

Jede Branche, jede Betriebsgröße und jede Mitarbeiterstruktur ist anders. In einem unverbindlichen Gespräch rechnen wir gemeinsam durch, welche Variante der betrieblichen Altersvorsorge für Ihr Unternehmen die größte Wirkung bringt – steuerlich und für Ihre Mitarbeiter.

Pensionskasse
Kapitalmarktorientiert und flexibel

Modell 2: Die Pensionskasse

Bei der Pensionskasse zahlen Sie als Arbeitgeber regelmäßig Beiträge in eine überbetriebliche Vorsorgeeinrichtung ein, die der Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) unterliegt. Die Beiträge werden am Kapitalmarkt veranlagt und ergeben später eine lebenslange Zusatzpension für Ihre Mitarbeiter.
Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Bis zu 10 Prozent der Bruttolohn- und Gehaltssumme können steuerbegünstigt und ohne Lohnnebenkosten eingezahlt werden – egal, ob Sie einen oder hundert Mitarbeiter haben.
  • Die Beiträge gelten als Betriebsausgaben und mindern Ihren Gewinn.

  • Ihre Mitarbeiter können freiwillige Eigenbeiträge leisten; bis zu 1.000 Euro pro Jahr werden dabei staatlich gefördert.

  • Auch Mitarbeiter können freiwillige Eigenbeiträge leisten; bis zu 1.000 Euro pro Jahr werden dabei staatlich gefördert.

  • Die Auszahlung erfolgt als lebenslange Zusatzpension, die erst in der Pension – meist zu einem niedrigeren Steuersatz – versteuert wird.

Der Preis für die Renditechancen: Es gibt keine garantierte Pensionshöhe. Die spätere Leistung hängt vom Veranlagungserfolg ab und kann schwanken.

Für wen geeignet: Für Betriebe, die ihren Mitarbeitern eine substanzielle Zusatzpension aufbauen wollen und mit Kapitalmarktschwankungen leben können. Voraussetzung ist eine Betriebsvereinbarung oder Einzelvereinbarung mit den Mitarbeitern.

Die Variante mit Garantie

Modell 3: Die betriebliche Kollektivversicherung

Die Betriebliche Kollektivversicherung (BKV) funktioniert ähnlich wie die Pensionskasse – mit einem entscheidenden Unterschied: Sie wird von einem Versicherungsunternehmen geführt und bietet eine garantierte, lebenslange Pension. Die Rechnungsgrundlagen bleiben über die Laufzeit gleich, und die garantierten Leistungen erhöhen sich zusätzlich durch die Gewinnbeteiligung aus der Veranlagung.
Auch hier gilt: Bis zu rund 10 Prozent der Bruttogehaltssumme sind als steuermindernde Betriebsausgabe möglich, die Beiträge sind von Lohnnebenkosten befreit. Die Auszahlung erfolgt als lebenslange Rente, eine Einmalzahlung ist in der Regel ausgeschlossen. Auf Wunsch lässt sich eine Hinterbliebenen- oder Invaliditätsabsicherung integrieren.

Für wen geeignet: Für Unternehmer, denen Planbarkeit wichtiger ist als maximale Renditechance. Wer seinen Mitarbeitern eine fixe, garantierte Zusatzpension zusagen will, ist bei der BKV richtig. In der Praxis vergleiche ich für meine Kunden beide Varianten – Pensionskasse und BKV – nebeneinander, denn die Wahl hängt stark von der Altersstruktur der Belegschaft ab.

Die Lösung für Geschäftsführer und Schlüsselkräfte

Modell 4: Die direkte Leistungszusage

Die Pensionszusage – auch direkte Leistungszusage genannt – ist das Instrument für die Führungsebene. Dabei verpflichtet sich Ihr Unternehmen schriftlich, rechtsverbindlich und unwiderruflich, einer bestimmten Person später eine Firmenpension zu zahlen. Die Höhe wird bereits bei der Zusage festgelegt.

Was dieses Modell auszeichnet:

  • Ihr Unternehmen bildet Pensionsrückstellungen in der Bilanz – das wirkt laufend steuermindernd.
  • Die Firmenpension darf maximal 80 Prozent des Letztbezugs betragen, gemeinsam mit der gesetzlichen Pension maximal 100 Prozent.
  • Neben der Alterspension lassen sich auch Berufsunfähigkeit und Hinterbliebene absichern.
  • Die Auszahlung kann als Rente erfolgen; auch eine Übertragung an eine Pensionskasse oder BKV ist möglich.

Kurz gesagt: Die Pensionszusage macht aus Firmenvermögen steuerbegünstigt Privatvermögen. Genau deshalb ist sie besonders für geschäftsführende Gesellschafter interessant – und ein starkes Instrument, um Leistungsträger langfristig ans Unternehmen zu binden.

Für wen geeignet: Für GmbH-Geschäftsführer und ausgewählte Schlüsselkräfte. Wichtig: Eine Pensionszusage will sauber kalkuliert und rückgedeckt sein. Hier sollten Steuerberater und Finanzberater von Anfang an gemeinsam am Tisch sitzen.

Betriebliche Altersvorsorge

Die 4 Modelle auf einen Blick

Zukunfts Sicherung
Pensionkasse
Kollektiv Versicherung
Pensions Zusage

Maximaler Rahmen

300 €/Jahr pro Mitarbeiter

bis 10% der Bruttolohnsumme

bis ca. 10% der Bruttolohnsumme

individuell (max. 80 % des Letztbezugs)

Garantie

je nach Produkt

nein, kapitalmarktabhängig

ja, garantierte Pension

ja, fix zugesagt

Lohn Nebenkosten

keine

keine

keine

keine (Rückstellungen)

Zielgruppe

alle Mitarbeiter

Belegschaft

Belegschaft

Geschäftsführer, Schlüsselkräfte

Aufwand

sehr gering

mittel

mittel

hoch

Mein Fahrplan für Ihren Betrieb

  • 1

    Bestandsaufnahme: Welche Vorsorgebausteine gibt es in Ihrem Betrieb bereits, über die verpflichtende Abfertigung Neu hinaus?

  • 2

    Ziel definieren: Geht es um Mitarbeiterbindung in der Breite, um die Absicherung der Führungsebene – oder um beides?

  • 3

    Budget festlegen: Vom 300-Euro-Einstieg bis zur 10-Prozent-Lösung ist alles skalierbar. Entscheidend ist, dass die Beiträge langfristig leistbar bleiben.

  • 4

    Modelle vergleichen: Pensionskasse oder BKV, Zusatzbaustein Zukunftssicherung, Pensionszusage für die Geschäftsführung – die Kombination macht’s.

  • 5

    Sauber umsetzen: Betriebsvereinbarung bzw. Einzelvereinbarungen aufsetzen, Verträge prüfen, Mitarbeiter informieren.

Als unabhängiger Berater bin ich an keinen einzelnen Anbieter gebunden und vergleiche die Lösungen am Markt für Sie – abgestimmt auf Ihre Betriebsgröße, Ihre Branche und Ihre Ziele.

Machen Sie Ihren Betrieb zum attraktiveren Arbeitgeber

Ob Zukunftssicherung als schneller Einstieg oder Pensionszusage für die Geschäftsführung: Ich zeige Ihnen, wie Sie mit der betrieblichen Altersvorsorge Lohnnebenkosten sparen, Mitarbeiter binden und gleichzeitig Vermögen aufbauen. Vereinbaren Sie jetzt Ihr unverbindliches Erstgespräch – persönlich in der Region Wiener Neustadt und Neunkirchen.